Was Autoritäre, Populisten und Radikale in Westeuropa wirklich über Demokratie denken

Autoritarismus, Populismus und Radikalismus gelten als Risiken für das Vertrauen der Bürger*innen in demokratische Institutionen. Doch wie wirken sich diese Einstellungen auf den Rückhalt für Demokratie aus? Anhand einer repräsentativen Umfrage mit 14.000 Bürgerinnen und Bürgern in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien zeigt Lea Kaftan: Autoritäre lehnen Demokratie deutlich ab, Populisten kritisieren vor allem die Praxis, nicht das Prinzip. Radikalismus beeinflusst die Unterstützung für Demokratie nur auf Seiten der Rechten deutlich. Eine bewusste, fundamentale Ablehnung der liberalen Demokratie findet sich vor allem unter Autoritären und Rechtsradikalen.
Authoritarianism, populism, and radicalism are considered risks to citizens’ trust in democratic institutions. But how do these attitudes affect support for democracy? Based on a representative survey of 14,000 citizens in the United Kingdom, France, Germany, and Italy, Lea Kaftan shows: authoritarians clearly reject democracy, populists primarily criticize the practice, not the principle. Radicalism significantly influences support for democracy only on the political right. A conscious, fundamental rejection of liberal democracy is found primarily among authoritarians and right-wing radicals.
DOI: 10.34879/gesisblog.2026.121
Ist die Demokratie in Gefahr?
In ihrem gerade veröffentlichten Artikel „Support for (liberal) democracy among authoritarian, populist, and radical Western Europeans“ nimmt Lea Kaftan eine zentrale Annahme der Demokratieforschung unter die Lupe: Stehen antidemokratische Strömungen wie Autoritarismus, Populismus und Radikalismus tatsächlich für eine wachsende Ablehnung demokratischer Prinzipien in der Bevölkerung? In der länderübergreifenden Umfrage untersucht sie diese Frage in einer vergleichenden Perspektive und differenziert dabei zwischen den genannten Kategorien. Dabei stellt Kaftan die These auf, dass die genannten politischen Prädispositionen (Autoritarismus, Populismus, Radikalismus) sehr unterschiedlich mit einer liberal-demokratische Grundhaltung zusammenhängen. Insbesondere Autoritarismus und Rechtsradikalismus gehen mit antidemokratischen Einstellungen einher. Populismus und Linksradikalismus seien hingegen weniger problematisch als oft angenommen.
Für ihre Analyse befragte Kaftan je 3.500 Personen in vier Ländern (GB, FR, DE, IT) – nach Alter, Geschlecht, Bildung und Ortsgröße repräsentativ ausgewählt. Die Erhebung erfolgte zwischen Januar und Februar 2020 über YouGov und wurde im Rahmen des Projekts „Rebels in Representative Democracy“ vorab registriert und ethisch geprüft.
Zur Messung der Demokratieunterstützung setzte Kaftan ein Listenexperiment ein – eine Umfragetechnik, die soziale Erwünschtheit in den Antworten minimiert. Außerdem fragte sie offen nach, was „Demokratie“ für die Befragten eigentlich bedeutet und analysierte die Texte quantitativ und explorativ. Autoritarismus und Populismus wurden mit etablierten Skalen gemessen; Radikalismus wurde über die Selbsteinstufung auf der Links-Rechts-Skala abgebildet. Zwischen 8 und 28 Prozent der Befragten ließen sich als deutlich autoritär oder populistisch einordnen. Politisch Verortete an den Rändern machten zwischen 7 (links) und 9 Prozent (rechts) der Befragten aus.
Wie weit verbreitet sind autoritäre, populistische und radikale Einstellungen?
Kaftan konnte nachweisen: je autoritärer eine Person war, desto klarer lehnte sie das demokratische System ab. Besonders auffällig zeigte sich, dass die Ablehnung bewusst verläuft und meist mit einem klaren Verständnis von Demokratie einhergeht. Kurz, Autoritäre wissen und benennen, was sie ablehnen.
Populisten indes unterstützen „Demokratie“ nach eigenen Angaben häufig in gleichem Maße wie Nicht-Populisten – ihre Kritik richtet sich vorwiegend gegen die Umsetzung demokratischer Prinzipien im Alltag.
Bei den Radikalen zeigte sich, dass Rechtsradikale sich seltener demokratisch äußern. Linke an den Rändern zeigen jedoch eine Demokratiefreundlichkeit, vergleichbar mit der Zugenandtheit zur Demokratie der gesellschaftlichen Mehrheit.
Was verstehen die Bürger*innen unter „Demokratie“?
Die meisten Bürger*innen definieren Demokratie mit Blick auf freie Wahlen, politische Mitsprache und Grundfreiheiten. Kaum jemand nannte von sich aus allerdings Begriffe wie Gewaltenteilung, Minderheitenschutz oder Rechtsstaatlichkeit. Damit wurden allgemein im Demokratieverständnis wichtige „Essentials“ einer liberalen Demokratie außen vor gelassen. Autoritäre sprechen selten von liberalen Kernelementen und verbinden Demokratie vor allem mit Wahlen und einem allgemeinen Freiheitsbegriff. Populisten verzichten oft auf einen Bezug zu bürgerlichen Grundrechten; sie kritisieren primär die fehlende Umsetzung demokratischer Ideale. Radikale (links wie rechts) äußern sich deutlich kritischer gegenüber der Umsetzung von Demokratie als Befragte, die sich eher einer politischen Mitte zuordnen.
Ist die Demokratie in Gefahr?
Lea Kaftans Studie zeigt: Der bewusste Widerstand gegen das demokratische System in Westeuropa sitzt vor allem bei den Autoritären und Rechtsradikalen – sie wissen, was sie ablehnen, und tun dies in Kenntnis der demokratischen Prinzipien. Populisten und Linke sind zwar oft unzufrieden, jedoch keine originären Gegner demokratischer Grundwerte.
Diese Ergebnisse mahnen, differenziert auf aktuelle Herausforderungen für die Demokratie zu blicken und insbesondere den Einfluss von autoritärem Denken und rechter Radikalisierung ernst zu nehmen. Wer mehr über die konkreten Messungen, Daten und weitere methodische Details wissen will, findet sie open-access im Artikel und den ergänzenden Materialien.
Wissenschaftliche Originalpublikation:
Kaftan, Lea (2026). Support for (liberal) democracy among authoritarian, populist, and radical Western Europeans. Political Studies. doi.org/10.1177/00323217261448018
Dieser Beitrag wurde von Dr. Sophie Zervos mit Unterstützung von ChatGPT 4.1 auf Grundlage der wissenschaftlichen Originalpublikation erstellt und von der Autorin geprüft und freigegeben.
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