Auswirkungen von Open Access auf wissenschaftlichen Impact: Ergebnisse des OASE-Projekts

Das Forschungsprojekt „OASE – Open-Access-Effekte“ untersuchte die Auswirkungen von Open Access auf den wissenschaftlichen Impact in verschiedenen Disziplinen. Es zeigte, dass Open Access, insbesondere Preprints, die Sichtbarkeit erhöht, das Publikationsverhalten jedoch stark von disziplinären Normen geprägt bleibt.

The research project “OASE – Open-Access Effects” studied the impact of Open Access on scientific influence across disciplines. It found that Open Access, especially preprints, boosts visibility, but publishing behavior remains largely shaped by disciplinary norms.

DOI: 10.34879/gesisblog.2024.85


Das Publizieren im Open Access hat in den letzten Jahren stetig an Bedeutung gewonnen. Doch welche Auswirkungen hat diese Publikationsweise auf den wissenschaftlichen Impact? Wie beeinflusst Open Access die Sichtbarkeit und Verbreitung von Forschungsergebnissen, und welche disziplinspezifischen Unterschiede gibt es dabei? Das Forschungsprojekt „Open-Access-Effekte“ (OASE) widmete sich diesen Fragen und untersuchte strukturelle Einflussfaktoren auf den Impact von Open-Access-Publikationen in verschiedenen Disziplinen. Hier werfen wir einen detaillierten Blick auf die wichtigsten Erkenntnisse des Projekts.

Eine zentrale Erkenntnis des OASE-Projekts ist, dass Open-Access-Publikationen, insbesondere Preprints, zu einer erhöhten Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit führen. Preprints, also wissenschaftliche Arbeiten, die vor der Begutachtung und Veröffentlichung in einem Fachjournal zugänglich gemacht werden, genießen dabei besondere Aufmerksamkeit. Sie werden nicht nur häufiger zitiert, sondern auch vermehrt in sozialen Medien wie Twitter (heute X) und in Blogs geteilt.

Die Verbreitung von Open-Access-Publikationen nimmt stetig zu. Zwischen 2010 und 2018 lag der Anteil von Open Access in Deutschland bei 45 Prozent, wobei unterschiedliche Strategien und Herangehensweisen bei verschiedenen Institutionen erkennbar sind. Besonders auffällig ist, dass der Übergang von geschlossenen zu offenen Zugangsmodellen, das sogenannte „Journal Flipping“, den wissenschaftlichen Impact positiv beeinflusst. Zeitschriften, die auf Open Access umgestellt haben, verzeichnen nicht nur mehr Veröffentlichungen, sondern auch höhere Zitationsraten.1

Ein wichtiger Aspekt des Projekts war die Untersuchung der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf das Publikationsverhalten. In den Lebenswissenschaften beispielsweise stieg die Bedeutung von Preprints erheblich. Zu Beginn der Krise wurden viele wissenschaftliche Arbeiten schnell als Preprints veröffentlicht, um zeitnahe Erkenntnisse zu verbreiten und den wissenschaftlichen Austausch zu beschleunigen. Dies führte zu einer deutlichen Erhöhung der Zitationsraten und altmetrischer Indikatoren wie zu Beispiel Online-Erwähnungen. Eine Untersuchung von Fraser et al. (2021) zeigte, dass der Peer-Review-Prozess während der Pandemie oft nur zu minimalen Änderungen zwischen den Preprints und den später in Fachzeitschriften veröffentlichten Artikeln führte.2

Ein auch zukünftig wichtiges Motiv für die Veröffentlichung von Preprints könnte die schnelle Verbreitung und Sichtbarkeit der Forschungsergebnisse sein. Bereits jetzt nutzen Forschende Preprints gezielt, um ihre Arbeiten einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, bevor diese formell in Fachzeitschriften erscheinen. Interessanterweise fanden die Forscher:innen des OASE-Projekts keine Hinweise darauf, dass Autor:innen gezielt bestimmte Artikel auswählen, um diese Effekte zu verstärken.

Trotz der Veränderungen im Publikationsverhalten durch die COVID-19-Pandemie stellte das OASE-Projekt fest, dass das wissenschaftliche Publikationsverhalten nach wie vor stark von disziplinären Normen und Praktiken geprägt bleibt. Externe Schocks, wie die Pandemie oder institutionelle Open-Access-Richtlinien, hatten keine tiefgreifenden und dauerhaften Auswirkungen auf die disziplinären Publikationskulturen. Dies zeigt sich auch in den Lebenswissenschaften, wo der anfängliche Anstieg der Preprint-Publikationen während der Pandemie zwar signifikant war, jedoch keine langfristigen Veränderungen in den Wachstumsraten der Preprint-Repositorien erkennbar sind. Auch Open-Access/Preprint-Mandate und Richtlinien von Institutionen und Geldgebern wurden von den Forschenden nicht als entscheidende Faktoren für ihre Publikationsentscheidungen angesehen.

Als besonderer Anreiz für die Open-Access-Transformation erweist sich die finanzielle Unterstützung von Autor*innen. Besonders in Ländern mit geringem Einkommen (Low-Income-Countries) zeigte sich, dass Autor:innen, die von den Autorengebühren befreit sind, häufiger in Gold-Open-Access-Zeitschriften veröffentlichen. Diese Zeitschriften machen ihre Inhalte standardmäßig öffentlich zugänglich. Im Gegensatz dazu veröffentlichen Autor:innen, die nur einen Rabatt auf die Gebühren erhalten, den geringsten Anteil ihrer Arbeiten im Open Access.3

Im OASE-Projekt wurde auch der Zusammenhang von wissenschaftlicher Karriereentwicklung und Open Access untersucht. Forschende aus dem Globalen Süden und Norden betonten die Bedeutung begutachteter Artikel, insbesondere in renommierten Zeitschriften, für ihre Karriere. Preprints wurden indes kontrovers bewertet: Einige schätzen die schnelle Verfügbarkeit, andere sehen darin weniger Wert als in begutachteten Artikeln.4

Die Ergebnisse des OASE-Projekts zeichnen ein differenziertes Bild von der Rolle und Bedeutung von Open Access in der wissenschaftlichen Publikationslandschaft. Einerseits zeigt sich, dass Open Access, insbesondere Preprints, zu einer erhöhten Sichtbarkeit und Verbreitung von Forschungsergebnissen führen kann. Andererseits bleibt das Publikationsverhalten in vielen Disziplinen stark von traditionellen Normen und Praktiken geprägt. Externe Schocks wie die COVID-19-Pandemie oder Open-Access-Mandate haben nicht ausgereicht, um einen tiefgreifenden und schnellen Wandel herbeizuführen. Auch die disziplinäre Kultur des wissenschaftlichen Publizierens erweist sich als äußerst robust gegenüber äußeren Einflüssen. Dennoch zeigen sich Forschende offen für Veränderungen, insbesondere wenn Anreize wie die schnellere Verbreitung und Bekanntmachung von Forschungsergebnissen bestehen.

Das Forschungsprojekt „Open-Access-Effekte“ (OASE) wurde von ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft und GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften durchgeführt. Unter der Leitung von Prof. Dr. Isabella Peters und Dr. Philipp Mayr untersuchte das Projekt zwischen 2018 und 2023, welche strukturellen und autorspezifischen Faktoren den Impact von Open-Access-Publikationen beeinflussen.

Weiterführende Informationen:

References

  1. Momeni, F., Mayr, P., Fraser, N., & Peters, I. (2021). What happens when a journal converts to Open Access? A bibliometric analysis. Scientometrics, 126(12), 9811–9827. https://doi.org/10.1007/s11192-021-03972-5.
  2. Fraser, N., Brierley, L., Dey, G., Polka, J. K., Pálfy, M., Nanni, F., & Coates, J. A. (2021). The evolving role of preprints in the dissemination of COVID-19 research and their impact on the science communication landscape. PLOS Biology, 19(4), e3000959. https://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.
  3. Momeni, F., Dietze, S., Mayr, P., Biesenbender, K., & Peters, I. (2023). Which Factors are Associated with Open Access Publishing? A Springer Nature Case Study. Quantitative Science Studies, 1–26. https://doi.org/10.1162/qss_a_00253.
  4. Biesenbender, K., Smirnova, N., Mayr, P. and Peters, I. (2024), The emergence of preprints: comparing publishing behaviour in the Global South and the Global North, Online Information Review, Vol. ahead-of-print No. ahead-of-print, https://doi.org/10.1108/OIR-04-2023-0181.

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